Der Schatz im Silbersee. Gesammelte Werke 36.


 
Hervorragendes Abenteuerbuch
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

"Der Schatz am Silbersee" gehört zu den sogenannten "Jugendromanen" Karl Mays. Damit sind die Bände 35-41 der Gesammelten Werke Mays gemeint, in denen jugendliche Protagonisten vorkommen und in denen der Held nicht in Ich-Form berichtet.

Zweifellos der spannendste und bis heute eindrucksvollste Roman aus dieser Reihe ist: "Der Schatz am Silbersee." Eine abenteuerliche Episode, beginnend mit einem spannend geschilderten Abenteuer mit einem aus seinem Käfig fliehenden Panther auf einem Steamer im Arkansas, folgt dem anderen. Die wichtigsten Westmänner aus Karl Mays Amerika-Romanen (u.a.Old Firehand, Old Shatterhand, Tante Droll, Hobble Frank, der lange Davy und der Dicke Jemmy) tauchen hier auf. Auffällig ist, das Old Shatterhand hier nicht die Hauptrolle spielt, wenn er auch in spannende Indianerkämpfe mit den Utahs verwickelt wird und sich - wie immer - durch List befreien muss. Er tritt hier deutlich hinter Old Firehand, den Träger der eigentlichen Handlung, zurück.

Auffällig ist in diesem frühen, bereits 1891 in Zeitschriften publizierten Roman die Häufung grausamer Szenen, die jedoch dadurch erklärbar sind, dass Karl May hier einen besonders "action-"reichen Roman liefern wollte. Wie zahlreiche seiner frühen Werke besitzt er jedoch - verglichen mit dem Spätwerk - unverminderte Spannung und lässt sich in einem Zug durchlesen. Dazu trägt auch der gewohnte Dualismus der Helden bei. Abgrundtiefe Schurken, die Tramps und die sehr negativ gezeichneten Utah-Indianer stehen den omnipotenten guten Helden gegenüber.

Das Buch enthält jedoch auch viel Humor und gehört meines Erachtens zu den besten Abenteuer-Romanen, die ich als Karl-May-Fan immer wieder gerne lese und dem aus meiner Sicht eher langweiligen und langatmigen Alterswerk in jedem Falle vorziehe. Hier wird man in spannende andere Welten "entführt" und wenn Hermann Hesse 1919 nach Lektüre der vorliegenden Erzählung - wie Erich Heinemann im hervorragenden Karl-May-Handbuch berichtet - davon Sprach, Karl May sei "der glänzenddste Vertreter eines Typs von Dichtung, der zu den ganz ursprünglichen gehört, und den man etwa "Dichtung als Wunscherfüllung" nennen könnte2, so trifft dies ebenso zu wie Ernst Blochs vielzitiertes Wort über Karl May als einem der "besten deutschen Erzähler." Dies wird an diesem Werk wieder deutlich. Sehr sehr spannend und bei weitem besser als der gleichnamige Film.
Eine Rezension von Bernhard Nowak "bnowak8673" >
vom 21. März 2005
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